Schneegeflüster
Kara Seeberg parkte ihren Wagen auf dem Parkstreifen direkt vorm Eingang des Krankenhauses. Der eiskalte Wind ließ sie erschauern. Sie schlug den Kragen ihres Wollmantels hoch und eilte unter schwerem, grauen Himmel die Stufen zum Eingang hinauf. Im Zimmer ihrer Mutter war es bis auf die Geräusche der lebenserhaltenden Gerätschaften still. Vor dem Fenster flackerte der Schein einer roten Kerze. Es roch wie immer: septisch, klinisch, Angst einflößend. Das Kopfteil des Bettes war hoch gestellt. Mutter saß aufrecht und sah sie an. Ihr Blick hatte etwas Gehetztes.
Das Haus im See
„Halten Sie sich vom östlichen Ufer des Gorreg fern. Dort geht es nicht geheuer zu! Vier Menschen sind da in den letzten zehn Jahren verschwunden … Spurlos verschwunden!“ Das Abendessen stand noch nicht auf dem Tisch, da bereute Alex Levander schon, in dem Lokal eingekehrt zu sein. Jede abgelegene Provinz Deutschlands hat ihre Schauergeschichte, und oft genug bekamen leichtgläubige Auswärtige sie mit dem Essen serviert, ob sie wollten oder nicht. Jetzt, eine Stunde später, lagen Schnitzel und Pommes schwer in seinem Magen, und Alex war froh, dem alten redseligen Tattergreis entkommen zu sein.
Blog Buster
Das Mädchen sieht echt klasse aus. Zwar ist ihr Gesicht panisch verzerrt, und aus einer tiefen, klaffenden Wunde in ihrer rechten Wange, die bis auf den Kieferknochen geht, strömt jede Menge Blut, trotzdem strahlt sie noch diese anmutige Schönheit aus, die aus Jungs Helden werden lässt. Nur in Unterwäsche gekleidet, flüchtet sie einen leeren Gang hinunter, auf dem das grüne Notausgangsschild die einzige Lichtquelle ist. Beide Hände vorgestreckt taumelt sie auf eine Pendeltür zu, drückt sie auf und hinterlässt zwei blutige Abdrücke auf dem weißen Metall. Bevor die Türen zurückschwingen, wirft sie einen schnellen Blick über ihre Schulter, und sieht den riesigen Schatten an der Wand. Er folgt ihr noch immer.